Suchtdruck? NEIN DANKE ! (Teil 1)

Der Weg in eine Abhängigkeit ist so individuell und unterschiedlich wie der Mensch selbst. Der Weg aus der Abhängigkeit heraus scheitert jedoch oft nur an einer Sache:

Die Angst vor dem Suchtdruck!

Jeder Betroffene kennt es. Wenn sich der Vorrat an Suchtmitteln, sei es Alkohol, illegale Drogen oder Medikamenten dem Ende neigt. Dieses Gefühl, wenn nur noch für einen Rausch genug Stoff vorhanden ist. Es ist schrecklich! Das Gedankenkarussell dreht sich noch stärker als sonst nur um das Suchtmittel und wie es einem wohl geht wenn dies nicht mehr da ist. Man schwitzt, wird nervös und ängstlich und das, obwohl ja noch gar nichts passiert ist.

Wie also soll es erst sein wenn man mit dem Konsum ganz aufhören will?

Wie soll man eine „Ewigkeit“ überstehen, wenn man schon kaum mehr kann obwohl noch ein Rest vorhanden ist?

Wie, die körperlichen und seelischen Schmerzen überstehen?

Ich denke, im Kern ist dies die wesentliche Hürde den Konsum zu beenden, obwohl man schon längst erkannt hat, dass man abhängig ist und sich früher oder später zugrunde richtet.

Suchtdruck, also das scheinbar unbeherrschbare Verlangen nach Suchtmittel tritt in unterschiedlicher Form auf und es gibt kein Patentrezept damit umzugehen!

Ich kenne viele Betroffene, die seit Jahren Abstinent sind und überhaupt keinen Suchtdruck kenn. Es muss also gar nicht zwangsläufig zum Supergau kommen indem der Süchtige dies durchleiden muss. Die meisten meiner betroffenen Freunde und dies ist auch meine eigene Erfahrung, sprechen aber davon, dass das erste Jahr der Abstinenz oft schwierig war und der Druck wieder zu konsumieren häufig auftrat. ALLE sagen aber, dass es mit der Zeit immer einfacher wurde mit Suchtdruck umzugehen.

Im ersten Teil dieses Beitrages möchte ich versuchen, Antworten auf die wichtigsten Fragen zu liefern:

Wie überstehe ich überhaupt die ersten Tage?

Ich kann immer nur empfehlen, eine Entgiftung grundsätzlich stationär in einer kontrollierten Umgebung zu machen. Niemand muss ein Held sein und einen kalten Entzug durchmachen, zumal dies auch ernsthafte negative Folgen haben kann. Außerdem heiße ich persönlich den Einsatz von Medikamenten gut, solange dieser in der ärztlich kontrollierten Umgebung durchgeführt wird.

Oft höre ich das Argument, dass Betroffene Angst haben dann von einem Medikament abhängig zu werden.

Dem ist nicht so! Es werden Medikamente wie z.B. Tavor verabreicht. Zweifellos haben diese Medikamente zwar suchtpotential, sie werden aber nur in den ersten Tagen gegeben und dann langsam ausgeschlichen. Dies hilft enorm, die körperlichen und seelischen Belastungen zu überstehen.

Wie lange und wie oft habe ich mit Suchtdruck zu kämpfen?

Wie schon im Eingangstext beschrieben, tritt Suchtdruck sehr individuell auf. Was bei den einen ein Jahr dauert, kann bei anderen schon nach 5 Monaten deutlich besser ein. Andere wiederum verspüren gar keinen Suchtdruck.

Gibt es Strategien mit Suchtdruck umzugehen?

JA! Es gibt viele Strategien mit Suchtdruck umzugehen. Diese zu lernen und sicher einzusetzen ist unter andere ein Schwerpunktthema in einer Suchttherapie, die jeder machen sollte, der eine Abstinenz anstrebt. Es bringt nichts, hier alle Strategien aufzulisten und sich einfach nur etwas herauszuziehen. Mit Suchdruck umzugehen heißt lernen und manchmal eben auch nur einfach durchzuhalten falls die gewählte Strategie nicht funktioniert. Dennoch möchte ich euch gerne ein paar Beispiele nennen:

Die Notfallnummer

Man sollte immer eine Auswahl an Vertrauten Personen im Handy gespeichert haben, die man während eines akuten Suchtdrucks anrufen kann. In sehr vielen Fällen hilft es, einfach eine halbe Stunde darüber zu reden. Zu, einen setzt man sich so mit der Situation auseinander, zum anderen geht jeder Suchtdruck auch irgendwann vorüber. Die Zeit in der man telefoniert kann hier schon ausreichen, um das schlimmste zu überstehen.

Die Selbsthilfegruppe

Ich kann nur raten, von Beginn an eine Selbsthilfegruppe zu suchen und diese regelmäßig zu besuchen. Dies hilft präventiv den Suchtdruck einzudämmen. Man lernt aus den Erfahrungen der anderen Teilnehmer und kann deren Strategien auch für sich nutzen. Wenn man eine Gruppe gefunden hat in der man sich wohlfühlt, hat man in der Regel auch immer eine Auswahl an Notfallnummern.

Alte Spielplätze meiden

Auch dies ist eher ein präventives Mittel um Suchdruck vorzubeugen. Einfach gesagt, wenn ich Alkoholiker bin, gehe aber dennoch regelmäßig in meine frühere Stammkneipe um dort Fanta zu trinken, muss ich mich nicht wundern wenn ich früher oder später Suchtdruck verspüre oder einen Rückfall erleide.

Körperliche Ablenkung

Raus aus der Situation und sich körperlich betätigen. Z.B. einen Waldlauf, schwimmen gehen, Gewichte heben oder was eben gerade möglich und verfügbar ist. Auch hier stellt sich in der Regel schon nach kurzer Zeit eine Besserung der Situation ein.

 

Und noch ein Tipp:

Denkt nicht in zu langen Zeiträumen. Der Gedanke daran „für die Ewigkeit“ aufzuhören oder auch in Jahren zu denken kann wirklich fertig machen und zumindest am Anfang sehr demotivierend wirken. Mir selbst hat es sehr geholfen immer für die nächsten 24 Stunden abstinent zu bleiben. „Heute konsumiere ich nichts“ Geprägt übrigens von den AA „nur für heute“.

 

Wie gesagt, es gibt noch viele weitere Strategien und oft ist es eine Mischung aus den unterschiedlichen Strategien, die hilft, mit der jeweiligen Situation umzugehen.

Für den zweiten Teil dieses Beitrages habe ich mir vorgenommen einige ganz persönliche Suchtdrucksituationen zu beschreiben. Ich gebe Gas um diesen bald zu veröffentlichen J

Bis dahin,

Gute 24 Stunden !

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