Langzeittherapie / Ringgenhof

Endlich schaffe ich es wieder mal einen Blogbeitrag zu schreiben. Nicht das es mir an Themen mangeln würde. Ganz im Gegenteil. In den letzten Wochen habe ich super viele Anregungen und Themenwünsche erhalten, die ich gerne in nächster Zeit umsetzen möchte.

In meinem heutigen Beitrag möchte ich über meinen Besuch in der Fachklinik Ringgenhof schreiben. Ich war im Juni zum alljährlichen Sommerfest des Ringgenhofes und habe wieder einmal richtig viel gute Energie getankt. Hier habe ich selbst meine Langzeittherapie abgeschlossen und erinnere mich bei jedem Besuch an diese Zeit, als wäre es erst gestern gewesen. Mit persönlich tut es gut, die Luft des Ringgenhofes zu schnuppern und mich an meine Anfänge auf dem Weg in die Abstinenz zu erinnern.

Ich habe mich heute für diesen Beitrag entschieden, da ich in meinen Gruppen und in Gesprächen mit Patienten oft Widerstände gegen eine stationäre Therapie aufnehme. Die Widerstände sind auch völlig normal! Mit meinem Beitrag will ich aber versuchen zu zeigen, dass es gar nicht so schlimm ist eine stationäre Langzeittherapie durchzuziehen und man diese Zeit optimal für sich nutzen kann.

Egal ob Ringgenhof oder welche Einrichtung auch immer – Meiner Meinung nach ist eine stationäre Therapie zwar nicht der einzige Weg in die Abstinenz aber es ist der sicherste und nachhaltigste.

Ach ja, und heute gibt es sogar ein paar Bilder im Artikel 🙂

Ringgenhof / Lage

Die Fachklinik Ringgenhof ist eine traditionsreiche Klinik zur stationären Entwöhnungsbehandlung für Männer im oberschwäbischen Wilhelmsdorf. Die Klinik für weibliche Patienten befindet sich in Bad Saulgau.

Der Ringgenhof liegt am Rande eines weitläufigen Naturschutzgebietes, in einer relativ ländlichen Region. Für mich war die Lage ein Glücksfall, denn schon durch die Lage ist man von allzu vielen Versuchungen die beispielsweise eine Großstadt bietet etwas abgeschottet. Obwohl ich selbst in einer ländlichen Region aufgewachsen bin, habe ich den Bezug zur Natur während meiner Suchtzeit verloren und konnte ihn hier wieder herstellen.

Die Fachklinik Ringgenhof erstreckt sich auf einem weitläufigen Gelände und beinhaltet mehrere kleinere Gebäude mit den Patientenzimmern. Zentral gelegen ist der Speisesaal für die gemeinsamen Mahlzeiten. Angrenzend befindet sich der landwirtschaftliche Teil mit den Ställen sowie einer Schreinerei, der Sporthalle und einem Patientencaffee. Die Aufteilung in mehrere kleine Gebäudekomplexe nimmt ein wenig den Klinikcharakter.

 

Therapie

Behandelt wurden zu meiner Zeit sowohl Alkoholsucht, Drogensucht, Spielsucht als auch Patienten mit einer Doppeldiagnose. Meines Wissens nach ist dies auch heute noch so.

  • Mehrmals pro Woche finden Gruppentherapien in Kleingruppen innerhalb des jeweiligen Hauses statt.
  • Regelmäßig gibt es auch eine Großgruppe mit allen Bewohnern des Hauses (die Häuser sind nach den jeweiligen Suchtgruppen Alkohol, Drogen, Doppeldiagnose eingeteilt).
  • Darüber hinaus hat jeder Patient einen Bezugstherapeuten, mit dem Einzelgespräche stattfinden.
  • Zudem nimmt jeder Patient an der Arbeitstherapie teil. Hier hat man die Möglichkeit in der Landwirtschaft, der Schreinerei, der Gärtnerei, dem Patientencaffee oder dem Patenamt mitzuarbeiten.
  • Auch stehen sportliche Aktivitäten auf dem Therapieplan. Neben einem Lauf am Morgen vor dem Frühstück gibt es mehrere regelmäßige Sportgruppen, die für die Patienten verpflichtend sind.
  • Jeden Freitag findet Hausübergreifend für alle Patienten eine Infoveranstaltungen mit verschiedenen Themen statt.

Darüber hinaus existiert ein breites Angebot, an denen sich Patienten freiwillig beteiligen können, z.B.:

  • Ernährungsberatung
  • Ergotherapie
  • Wandergruppen
  • Sportgruppen / Kraftraum
  • Entspannungsübungen
  • Bogenschießen
  • Fahrradverleih
  • Kegelbahn
  • Minigolf
  • Volleyballmannschaft
  • Tennisplätze
  • Und viele weitere mehr…

Freizeit

Die Wochenenden kann man abgesehen von den Diensten in der Arbeitstherapie zur freien Verfügung nutzen.

Einerseits hat man die Möglichkeit die zahlreichen Angebote auf dem Hof zu nutzen. Es ist aber auch möglich, sich ein Fahrrad auszuleihen und an den nahegelegenen Illmensee zu fahren und einen Sommertag am See zu genießen.

Es existiert auch eine gute Busverbindung nach Ravensburg, wo man die Möglichkeit hat in der Stadt zu bummeln, Museen zu besuchen oder von dort aus ca. 30 Minuten mit der Regionalbahn nach Friedrichshafen zu fahren. Friedrichshafen war für mich immer eines der Highlights. Bei schönem Wetter einen Tag am Bodensee zu verbringen war eine Belohnung für mach harte Therapiewoche.

Mein Nutzen

Für mich natürlich das allerwichtigste an der ganzen Therapie!

  • Ich konnte alle meine Therapieziele erfüllen.
  • Ich konnte hier den Grundstein für ein neues Leben legen.
  • Ich konnte über mich selbst lernen und warum ich in eine Suchterkrankung geraten bin.
  • Ich konnte mir wieder eine Tagesstruktur aufbauen.
  • Ich konnte lernen mich selbst auszuhalten.
  • Ich konnte Alternativen zu Drogen kennenlernen.
  • Ich wurde Wertgeschätzt, unterstützt und bestärkt, dass sich ein drogenfreies Leben lohnt.
  • Ich habe gesehen, dass es sich lohnt sich extremen Schwierigkeiten zu stellen, hart an sich zu arbeiten und innere Kämpfe auszufechten.
  • Ich könnte diese Liste noch ewig weiterführen

 

Fazit

Es soll hier auf keinen Fall der Eindruck entstehen, eine Langzeittherapie wäre „Easy going“ in einer art Kurhotel. Im Gegenteil, eine Langzeittherapie ist harte Arbeit und erfordert Disziplin.

Auch eine Suchtklinik ist kein drogenfreier Ort. Auch hier muss man NEIN sagen können. Auch hier gibt es Sanktionen, wenn die Dinge aus dem Ruder zu laufen drohen.

ABER man wird auf diesem Weg bestmöglich begleitet und unterstützt.

Für mich persönlich ist der Ringgenhof zwar ein sehr wichtiger Ort, am Ende ist es aber egal, ob man hier ist oder in einer der vielen anderen Therapieeinrichtungen in Deutschland.

Wenn man wirklich einen Ausweg aus der Abhängigkeit sucht, dann nimmt man jede Hilfe an die einem geboten wird.

 

Für alle die noch am schwanken sind:

Was habt ihr zu verlieren?

Grüße an alle

Marc

 

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