Die „weiche Drogen“ Lüge

 

Liebe Leser,

auch wenn ich meine Beliebtheit mit diesem Thema bei vielen nicht gerade steigern werde, möchte ich heute doch mal mit dem Gerücht aufräumen, es gäbe „weiche Drogen“ und insbesondere, dass Cannabis eine „weiche Droge“ sei.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass ich überhaupt kein Problem damit habe wenn jemand der Meinung ist Cannabis oder sonstige Drogen konsumieren zu müssen. Solange man dies nicht im öffentlichen Raum tut ist jeder für sich selbst verantwortlich. Ich selbst habe Cannabis übrigens lange genug geraucht um zu wissen, über was ich in diesem Beitrag schreibe.

Auch sehe ich ein, dass es sozusagen ein Kulturgut ist sich zu berauschen. Die Menschheit tut dies seit tausenden von Jahren, mit Pflanzen, vergorenem Obst oder was sich sonst eben dazu eignet. Jedem wie er es für richtig hält. Nicht jeder der Alkohol trinkt wird Alkoholiker, genauso wenig wird jeder der einmal einen Joint raucht zum Junkie.

Allerdings ist es der totale Blödsinn, dass eine Kategorisierung zwischen „weichen“ und „harten“ Drogen vorgenommen wird. Und gerade dann, wenn in regelmäßigen Abständen das Thema Legalisierung wieder einmal die Runde macht, will jeder Möchtegernexperte auf diesen Zug aufspringen um sich irgendwie zu profilieren und sein Gesicht in einer Fernsehtalkshow sehen.

Da es in Deutschland mittlerweile Millionen Cannabis Konsumenten gibt, ist dies natürlich auch eine recht starke Wählerschaft. Vielleicht wird deswegen von einigen Politikern immer wieder eine Legalisierung gefordert und die Einstufung als „weiche Droge“ vorgenommen.

Ich frage wirklich, wie diese Einstufung denn eigentlich begründet ist und beleuchte mal einige Fakten:

Definition : Abhängigkeit nach ICD-10

(ICD-10 = Internationale Klassifikation der Krankheiten).

Als abhängig gilt man, wenn man innerhalb des letzten Jahres mindestens drei dieser Merkmale gleichzeitig auftreten. Es ist aber auch wichtig die einzelnen Merkmale zu betrachten und zu schauen, ob der Konsum von Cannabis dies auslösen kann.

  1. Ein starker Wunsch oder Zwang , ein Suchtmittel zu konsumieren.

JA, dies trifft für Cannabis voll und ganz zu.

  1. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Suchtmittels.

JA, auch dies trifft für den dauerhaften Konsum von Cannabis zu.

  1. Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums.

Ein körperlicher Entzug findet zwar nicht deutlich spürbar statt, ganz sicher aber ein langwieriger psychischer Entzug.

  1. Nachweis einer Toleranz: Um die ursprünglich durch niedrigere Mengen des Suchtmittels erreichte Wirkung hervorzurufen sind zunehmend höhere Mengen erforderlich.

Klares JA!

  1. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen und Vergnügen zugunsten des Suchtmittelkonsums und / oder erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren und sich wieder zu erholen.

JA, trifft zu. Die Vernachlässigung anderer Interessen bei Cannabis sogar noch mehr als bei vielen anderen Substanzen.

  1. Anhaltender Substanzgebrauch trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen (körperlicher, psychischer oder sozialer Art).

JA, trifft ebenfalls voll und ganz zu.

Es ist also klar, dass Cannabis ein ebenso hohes Suchtpotential hat wie z.B. Kokain, Heroin oder andere Substanzen, die laut Meinung einiger „Experten“ nicht in die Kategorie „weiche Drogen“ fallen.

 

Cannabis als Einstiegsdroge?

Nein, dies kann man so nicht sagen. Nicht jeder der Cannabis konsumiert wird später auch automatisch zu anderen Drogen greifen. Allerdings hat nahezu jeder der andere Drogen konsumiert auch einmal Cannabis konsumiert oder tut dies parallel zu anderen Drogen noch immer. Ich würde Cannabis also nicht zwangsläufig als Einstiegsdroge einordnen, was es aber natürlich nicht weniger gefährlich macht.

Meiner Meinung nach geschieht der Einstieg bereits mit Nikotin und / oder Alkohol.

 

Die Wirkung von Cannabis

Die Wirkung von Cannabis kann ein möglicher Grund dafür sein, dass es als „weiche Droge“ eingestuft wird. Richtig ist, Cannabis hat keine extrem harte oder abschreckende Wirkung wie zum Beispiel Amphetamine, Crystal Meth, LSD oder andere. Im Gegenteil, es hat eine beruhigende meist Stimmungsaufhellende Wirkung. Todesfälle infolge einer Überdosierung gibt es nicht – demzufolge auch keine allzu negative Publicity.

Genau dies ist aber auch das gefährliche an Cannabis. Gerade junge Erstkonsumenten fühlen sich durch den eher soften Rausch nicht abgeschreckt. Das beruhigende Gefühl wird immer wieder zum Stressabbau genutzt bis irgendwann eine Abhängigkeit entsteht. Und dass ein großes Suchtpotential vorhanden ist haben wir ja nun schon gesehen.

Für mich ist also auch die vermeintlich weiche Wirkung kein Grund für eine Einstufung als „weiche Droge“.

 

Cannabis zu medizinischen Zwecken

Seit März 2017 können schwer kranke Menschen Cannabis auf Rezept bekommen. Ein entsprechendes Gesetzt wurde vom Bundestag einstimmig verabschiedet. Die medizinische Wirkung von Cannabis wird zum Beispiel bei chronischen Schmerzen, multipler Sklerose, gewisser Krebsformen und anderen eingesetzt.

Dies finde ich völlig in Ordnung. Wenn bei gewissen Krankheit Cannabis zur Heilung eingesetzt werden kann, dann sollte man dies auch tun. In diesem Fall steht für mich Gesundheit immer über Sucht.

Für diesen speziellen Fall allerdings sehe ich Cannabis als Medikament an und nicht etwa als „weiche Droge“ die grundsätzlich legalisiert werden sollte. Genauso wenig ist es ja auch möglich Morphine in einer Drogerie zu kaufen.

 

Soziale Folgen eines missbräuchlichen bis abhängigen Konsums

  • Komplette Aufgabe der Strukturen als schleichender Prozess, der vom Konsumenten erst bemerkt wird wenn eine Abhängigkeit bereits eingetreten oder fortgeschritten ist.
  • Wegfall von Beziehungen außerhalb der Kifferszene.
  • Verlust der Fahrerlaubnis ist möglich.
  • Extrem langer Entzug. Weniger körperlich als eher psychisch. Häufiger Suchtdruck muss ausgehalten werden.
  • Konflikte mit dem Gesetzgeber durch Besitz, Beschaffung und / oder Beschaffungskriminalität.
  • Erhöhte Unfallgefahr (wie auch bei Alkohol oder andern Substanzen).
  • Antriebslosigkeit, permanentes Gefühl der Überforderung, Wortfindungsstörungen.

 

Gesundheitliche Folgen eines missbräuchlichen bis abhängigen Konsums

  • Langzeitschädigungen der Atemwege und der Lunge.
  • Deutlich höheres Krebsrisiko als beim Nikotinkonsum.
  • Schädigungen des Gedächtnisses.
  • Länger anhaltender Intensivkonsum fördert Depressionen!
  • Drogeninduzierte Psychosen sind möglich.
  • Hohe Gefahr durch Streckmittel wie Bleipulver, Haarspray, etc.

 

Weitere „weiche Drogen“

Jetzt habe ich mich zwar recht intensiv über die Gefahren von Cannabis ausgelassen, fairerweise muss man aber sagen, dass es noch weitere Drogen gibt, die immer wieder als vermeintlich „weiche Drogen“ angesehen werden.

Diese sind z.B.:

  • Psilocybinhaltige Pilze
  • Buprenorphin (starkes Schmerzmittel auf der Gruppe der Opioide
  • LSD
  • Ecstasy
  • Anabolika
  • Und viele weitere mehr…

Um diesen Beitrag aber halbwegs übersichtlich und lesbar zu halten, habe ich mich entschlossen, hierzu demnächst noch einen zweiten Teil zu schreiben, in dem ich mich mit den weiteren genannten Substanzen befasse.

 

Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob er konsumiert, was er konsumiert und wieviel er konsumiert. Die Folgen seines Handelns muss man dann eben auch in Kauf nehmen.

Mein Statement dazu ist und bleibt:

Es gibt keine weichen Drogen!

Marc

4 Kommentare zu „Die „weiche Drogen“ Lüge

  1. Ich Pflichte Dir voll und ganz bei aber leider gibt es noch zu viele die es nicht einsehen oder ignorieren wie Eltern die leichtfertig Ihren Kindern Ritalin verabreichen lassen damit Sie, die Schule oder gar der Kindergarten mit einem zappeligem Kind Ihre Ruhe haben nur leider ist ja auch Dies schon ein möglicher einstieg in eine spätere Drogenkariere.

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    1. Hallo Martin,
      erstmal danke für Dein Feedback. Ich habe es vielleicht etwas unglücklich formuliert, das erhöhte Krebsrisiko bezieht sich tatsächlich auf das rauchen, dies in Verbindung mit Tabak.

      Gefällt mir

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